Sommerzeit = Gewitterzeit

Hunde-in-NRW - Sommerzeit ist Gewitterzeit - Was tun wenn mein Hund Panik bekommt und wie kann ich es trainieren?Wenn es draußen donnert und kracht zeigen viele unserer Hunde Angstverhalten. Insgesamt ist die Angst vor bestimmten Geräuschen oder auch eine allgemeine Geräuschempfindlichkeit bei
Haushunden recht weit verbreitet.

 

Aber was ist eigentlich Angst und was passiert mit dem Hund wenn er Angst verspürt?

Ganz klar ist: Angst ist eine Emotion. Sie dient vorrangig dem Überleben und gehört somit zur biologischen Grundausstattung eines Tieres. Angst wird ab der 6. Lebenswoche empfunden jedoch überwiegt bis zur 8. Lebenswoche die Neugier die wichtig ist, um das Rudel kennenzulernen. Erst danach wird die Wurfhöhle verlassen und ab da macht die Angst Sinn um das Überleben zu sichern. Reagiert ein Tier nicht mit Angst auf etwas Bedrohliches, kann das äußerst gefährlich werden. Es gibt Hundetypen, die eher ängstlich sind und Hundetypen, die nichts so schnell aus der Ruhe bringt. Dies resultiert aus genetischen Anlagen und dem, was das Tier gelernt und erfahren hat. Angstreaktionen sind bei Hunden weitestgehend identisch wie starke Stressreaktionen. Hierbei werden die Notfallreaktions-Mechanismen von Geist und Körper aktiviert und ein hoher Stresspegel führt zu einem chemischen Ungleichgewicht im Gehirn des Hundes. Das Gehirn regt über diverse Schnittstellen den Körper an, unter anderem vermehrt Cortisol auszuschütten. Dieses dient dazu, den Hund auf im Notfall erforderliche Handlungen (Flucht, Kampf oder Einfrieren) vorzubereiten.

Woran erkenne ich, ob der Hund Angst hat?

Sicher ist hier, dass das, was wir sehen, nur die Spitze des Eisberges ist! Die Emotion Angst produziert eine große Anzahl von unterschiedlichen Verhaltensweisen. Das Verhalten unserer Hunde gibt uns die Möglichkeit, die zugrunde liegende Emotionen zu interpretieren und einzuordnen. Viele Hunde, die Angst vor Gewitter haben, zeigen Verhalten wie

  • ständiges Hin- und Herrennen
  • Hyperaktivität
  • permanentes Winseln, Bellen oder sogar Schreien auch Knurren und Jaulen
  • starkes Hecheln und/oder Speicheln
  • die Rute ist angelegt oder unter den Bauch gezogen
  • verstecken sich
  • suchen die Nähe ihrer Menschen
  • Stubenunreinheit

Was tun wenn... Notfallmanagement:

Die Sicherheitszone: oft sucht der Hund einen Bereich auf, in dem er sich sicherer fühlt. Typisch sind Bereiche, die geräusch-dämmend wirken: Kellerräume, Kleiderschränke, Kisten. Lass den Hund gewähren und zwing ihn nicht, dort wieder hinaus zu kommen. Der Hund versucht mit dieser Versteck-Strategie Kontrolle über den Auslöser zu gewinnen, der ihm Angst macht. Stetiger
Kontrollverlust fördert Stress – Kontrollverluste vermeiden verschafft ihm Erleichterung.

Futter: Gerade bei stark futterorientierten Hunden kann Futter leicht eingesetzt werden um die Emotionen positiv zu beeinflussen. Ist die Angst nicht all zu ausgeprägt hat man damit gute Chancen. Natürlich sollte die Auswahl des Futters der Situation angepasst sein. Bei einem trockenen Hundekeks ist eine positive Veränderung der Stimmung vielleicht nicht zu erwarten aber dafür mit einem, beispielsweise mit Leberwurst, gefüllten Kong schon. Da der Kong ausgiebig bekaut und beschleckt werden kann, erfüllt dieser einen weiteren Zweck: Kauen und Lecken kann sich beruhigend auf Hunde auswirken. Auch kann das Futter auch im Haus verstreut werden. Mit dem Aufsammeln hat der Hund eine Aufgabe die einen Teil seiner Aufmerksamkeit von der angstmachenden Situation ablenkt.

Körperkontakt/Streicheln: Ob diese Art der Zuwendung dem Hund hilft Ängste abzubauen ist sehr individuell. Streicheln durch den Menschen kann völlig verschiedene Auswirkungen haben: Es
kann als entspannend empfunden werden und somit auch die ängstliche Erregung verringern. Jedoch kann Trösten im menschlichen Sinne die Angst des Hundes verstärken – nämlich dann, wenn der "Trost" aus der Sicht des Hundes bedrohlich ist: Umarmen, Hochheben, Festhalten, Zuwendung in, für den Hund bedrohliche Körperhaltung: nach vorne beugen, dem Hund ins Gesicht starren, hektisch die Umgebung (den Himmel nach weiteren Blitzen) absuchen. "Trost" in Form von ruhiger, nicht bedrohlicher körperlicher Unterstützung kann Deinem Hund helfen. Streichle Deinen Hund bitte nur, wenn er von alleine diese Nähe einfordert. Diese Situation zu erzwingen kann völlig kontraproduktiv sein.

Die vorgenannten Managementmaßnahmen sind hilfreich für den Notfall sollten aber nicht als Dauerlösung angesehen werden. Ein gezieltes Training hilft Deinem Hund auf lange Sicht deutlich mehr. Er wird sicherer, wenn er mit seinem Verhalten angstauslösende Situationen kontrollieren kann bzw. Weiß, was er tun kann, um sich sicherer zu fühlen.

Was tun wenn.... Training:
Die Behandlung von Gewitterangst ist nicht ganz so einfach weil der Auslöser (also Donner und) nicht zu kontrollieren sind, oftmals lange anhalten und der Hund oft schon eine lange Zeit mit dieser Angst leben musste und sich diese gefestigt hat. Daher wird am besten mit einem ganzen "Maßnahmenbündel" gearbeitet. Das kann aus einigen oder auch aus allen der folgenden Trainingsmaßnahmen bestehen:

Kennel-/Boxentraining: Ist Dein Hund ruhelos und sucht sich selber keinen sicheren Ort, so kannst Du ihm durch gezieltes Training beibringen einen Zimmerkennel als Rückzugsort anzunehmen in dem er entspannen kann. Wichtig hierbei ist, dass Dein Hund den Zimmerkennel vorab als Ort der Sicherheit und Entspannung kennt und es nicht als Bestrafung ansieht, dort hinein geschickt zu werden. Die Kenneltür bleibt natürlich geöffnet. Ein Kennel hat den positiven Effekt, dass er Geräusche Dämpft. Vielleicht kann man diesen noch mit Decken abhängen, jedoch muss auf eine gute Luftzirkulation geachtet werden.

Entspannungsdecke: Es bietet sich an, eine Decke, die ausschließlich für diesen Zweck genutzt  wird, als Target aufzubauen und mit Entspannungsübungen zu verknüpfen (konditionierte Entspannung). Diese Decke kann dann natürlich bei Bedarf mit in einen Zimmerkennel platziert werden.

Entspannungswort: Geübt wird ganz bewusst in einer völlig reizarmen Umgebung und wenn ihr, Du und Dein Hund, bereits entspannt seid. In diesem entspannten Zustand sagst Du, bevor Du Deinen Hund streichelst/massierst, Dein Entspannungswort. Das könnte z.B. sein: Easy, Relax. Nimm die Hand wieder vom Körper des Hundes weg, warte ein, zwei Sekunden, säusle Dein Entspannungswort erneut und fahre mit dem Streicheln/Massieren fort. Bis das Wort mit dem Gefühl der Entspannung verknüpft ist, dauert es eine Weile 2-3 Wochen aber danach ist es vielfältig einsetzbar. Nicht nur bei Gewitterangst sondern in jeder Situation, die Dein Hund übermäßig erregt und ihn hochfahren lässt. Wichtig ist: das Wort muss wie ein Batterie aufgeladen  werden ansonsten verliert es an Wirkung. Damit der Akku immer voll ist lade ich das Entspannungswort täglich während der Kuscheleinheiten auf.

Alternativverhalten: Ein anderes Verhalten, welches mit der Angst nicht vereinbar ist, hilft Deinem Hund, einen Teil seiner Aufmerksamkeit von der angstmachenden Situation abzuziehen und auf eine Aufgabe zu fokussieren. Diese Aufmerksamteilung alleine kann für Deinen Hund bereits Erleichterung verschaffen. Kann er Aufgaben bewältigen, so hat er Kontrolle über eine Situation. Das können Aufgaben sein wie z.B. der Blickkontakt zu Dir oder der 2-Finger-Touch.

Entspannendes Alternativverhalten: Eine Körperhaltung, die für Deinen Hund bequem ist und einen Teil seines Körpers streckt, ist entspannend. Das Liegen in der sogenannten  Down-Haltung (Kinn zwischen den Vorderpfoten abgelegt) auf einer Decke in einer Sicherheitszone ist eine besonders wertvolle Verhaltensreaktion und kann sehr gut unter Signal / Kommando gestellt werden. Liegen an sich ist schon relativ entspannend; durch das Ablegen des Kopfes zwischen den Vorderpfoten wird die Rückenmuskulatur gestreckt und die Entspannung so vertieft. Die Dehnung erniedrigt Blutdruck und die Herzfrequenz.

Natürlich sollte Dein Hund während der Trainingszeit ruhig und konzentriert arbeiten können. Wähle dabei Belohnungen so, dass sie den Hund nicht aufregen. Jede Form der Belohnung, die Deinen Hund stärker erregt (Ballspiele zum Beispiele), ist kontraproduktiv. Belohnungen, die sich für das Entspannungstraining eignen sind z.B.: Futtergefülltes Spielzeug zum Ausschlecken (keine Futterbälle die aktiv herumgerollt werden müßen), einzelne Futterbrocken die aufgesammelt werden müssen, verbales Lob, ruhig gesprochen, körperliche Zuwendung. Homöopathische Mittel / angstlösende Medikamente: Es gibt einige Hunde, die so sehr unter der Gewitterangst leiden, dass sie nachhaltige Stresssymptome zeigen die die Gesundheit gefährden können (wie zum Beispiel anhaltender Durchfall, Erbrechen, Pfotenlecken ect). Hier ist es unter Umständen sinnvoll das Training bis zur Vollendung durch Homöopathie oder auch Medikamente zu unterstützen. In diesem Fall sollte die Vergaben entsprechender Mittel mit dem Tierheilpraktiker/Tierarzt und dem Hundeverhaltensberater abgesprochen werden. Diese Mittel ergänzen das Training lediglich und dienen nicht als Lösung.

Was nicht hilft
Manch ein Hundehalter ist sehr einfallsreich, wenn es darum geht dem Hund zu zeigen, dass die Angst unbegründet ist und nichts passiert. Das fängt beim völligen Ignorieren des Hundes an und hört damit auf, dass der Halter Partystimmung versucht zu verbreiten. Leider sind diese Bemühungen nahezu immer zum Scheitern verurteilt. Denn Fakt ist, dass in dem Moment, in dem Hund der Hund Angst empfindet, ihm bereits etwas passiert ist: Eine negative Emotion wurde aktiviert! Bei stärker ausgeprägten Angstreaktionen funktioniert eine Stimmungsübertragung noch nicht mal zwischen Artgenossen hundertprozentig. Denn wie eingangs erklärt hat die Angst hat eine bestimmte Funktion: den Schutzmechanismus. Dieser kann nicht so einfach durch die Stimmung des Hundehalters beeinflusst werden.

Die Ängste unserer Hunde zu ignorieren oder durch "gute Stimmungsmache" nicht ernst zu nehmen kann zur Folge haben, dass die Angst Kreise zieht und stärker wird da der Hund nicht lernen kann, wie er mit seinen Ängsten klar kommt bzw. wie er sich in diesen Situationen Verhalten kann um diese für sich zu verbessern. Ich persönlich halte das für sehr unfair den Tieren gegenüber. Was hoffentlich selbstverständlich ist: Bestrafung des Hundes hilft diesem natürlich auch nicht die beängstigende Situation besser zu überstehen sondern macht es nur noch schlimmer.

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